Fragen & Antworten zu Möbeln in B1-Bereichen

Frage 1: Gibt es  B1 Möbel ?

Antwort von SEM: Eindeutig: NEIN!

Der Begriff „schwer entflammbar" ist ein Terminus aus der Brandklassenzertifizierung für Baustoffe nach DIN 4102 und entspricht der Klassifizierung B1.

Die DIN 4102 sieht die Prüfung von Baustoffen auf ihr Brandverhalten vor und ist an genaue Testkriterien gebunden. Die Prüfung findet in einem definiertem Brandschacht statt, wo Möbel u.a. schon aufgrund ihrer Dimensionen nicht hineinpassen.
Darüber hinaus ist ein Möbel kein einzelner Baustoff, sondern ein Verbund aus mehreren Baustoffen (Gestell Holz/Metall, Polsterschaum, Bezugsstoff etc.), wobei diese, einzeln betrachtet durchaus nach DIN 4102 auf B1 getestet sein können.

Fazit: Möbel als Ganzes sind für das B1 Testverfahren i.S. der DIN 4102 nicht geeignet. Deshalb kann es, streng genommen, auch keine nach B1 getesteten Möbel geben.
Für Möbel gibt es andere Testverfahren.

 


Frage 2: Kann ich ein Möbel als „schwer entflammbar" bezeichnen, wenn es aus Materialien besteht, die nach DIN 4102 auf B1 getestet sind?

Antwort von SEM: JEIN! ... es kommt darauf an.

Das Brandverhalten eines Möbels kann nur in seiner Gesamtheit als Materialverbund beurteilt werden.

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass ein Möbel schwer entflammbar wird, wenn man einen Bezugsstoff einsetzt, welcher eine B1 Zertifizierung nach DIN 4102 besitzt.
Ein Polstermöbel besteht neben dem Bezug weiterhin aus dem Schaumpolster, dem Polsterträger und dem Gestell.
Erst wenn alle diese Komponenten aus schwer entflammbaren Materialien bestehen, kann man davon ausgehen, dass auch das Möbel als Ganzes bei einem Brand schwer entflammbar wirkt und eine Brandausbreitung erschwert oder gar verhindert. Es besteht zusätzlich noch die Möglichkeit, zwischen Bezugsstoff und Polsterschaum eine nichtbrennbare Sperrschicht einbringen.
Kritisch wird es, wenn B1- Materialien mit normal entflammbaren Materialien (B2) kombiniert werden.Es genügt nicht, z.B. auf einen Sessel einen schwer entflammbaren Bezug einzusetzen, wenn der darunter liegende Polsterschaum nicht schwer entflammbar ausgerüstet ist. Selbst, wenn der Bezug vielleicht nicht durchbrennt, kann sich durch die entstehende hohe Temperatur der normal entflammbare Schaumstoff darunter dennoch entzünden. Der gegenteilige Effekt einer Brandbeschleunigung kann die Folge sein.

Fazit: Grundvoraussetzung für ein schwer entflammbares Möbel ist, dass alle Einzelkomponenten ohne Ausnahme aus schwer entflammbaren Materialien bestehen.Aber selbst dann gibt es noch keine Garantie für die beabsichtigte Wirkung. Ob der Materialverbund eines Möbels im Ernstfall brandhemmend funktioniert, kann man simulieren. Dafür gibt es spezielle genormte Testverfahren für Polstermöbel.


Frage 3: Welche Testverfahren gelten in Deutschland für die Beurteilung/Klassifizierung des Brandverhaltens von Polstermöbeln?

In Deutschland gibt es eine Reihe von Testverfahren für das Brandverhalten von Möbeln.

Bei Polstermöbeln ist die „kritische Masse" das Polster mit seinen Bestandteilen Polsterträger, Polsterschaum und Bezugsstoff. Relevant sind hier im wesentlichen 3 Testverfahren, welche auf Polstermöbel und/oder auf seine Materialkomponenten anwendbar sind.

Norm DIN 1021 – 1: » Zigarettentest –kleinste Brandlast, Test Einzelmaterial und Polsterverbund

Norm DIN 1021 – 2: » Streichholztest – zweitkleinste Brandlast, Test Einzelmaterial und Polsterverbund

Test nach DIN 54341: » Papierkissentest – Prüfung nur als Polsterverbund

Zur Beurteilung des Brandverhaltens von Polstermöbeln wird immer der Polsterverbund nach den vorgenannten Verfahren geprüft und zertifiziert.

Das Bestehen der Testverfahren führt zu einer Klassifizierung nach DIN 66084 wie folgt:

  1. Zigarettentest nach DIN 1021-1Klasse P-c = geringste Anforderung
  2. Streichholztest nach DIN 1021-2Klasse P-b = mittlere Anforderung
  3. Papierkissentes nach DIN 54341Klasse P-a = höchste Anforderung

Möbel, die den „Papierkissentest“ nach DIN 54341 erfolgreich bestanden haben, weisen ähnliche Brandeigenschaften auf, wie Baustoffe, die nach DIN 4102  als „schwer entflammbar“ (B1) klassifiziert sind. Diese Möbel und sind für den Einsatz in „B1-Bereichen“ nach Ansicht von Brandschutzexperten grundsätzlich geeignet.

Europaweit anerkannt ist darüber hinaus der Brandtest nach British Standard BS 5852 Crib 5, nach dem vor allem Polsterschäume getestet werden.
Hier handelt es sich um den sog. Holzstapeltest, welcher noch etwas anspruchsvoller als der Papierkissentest ist. (siehe Video)
 


Fazit: Man ist auf der sicheren Seite, wenn man in brandschutzsensiblen Bereichen mindestens getestete und  zertifizierte Materialien, noch besser aber komplette zertifizierte Möbel oder Polsterverbünde einsetzt.

Frage 4: Wie müssen Möbel beschaffen sein, um in sensiblen Brandschutzbereichen eingesetzt werden zu können?

Grundsätzlich müssen Möbel, die in Bereichen erhöhter Brandschutzanforderung (z.B. B1) eingesetzt werden, ähnliche Brandeigenschaften aufweisen, wie die sonstigen dort eingesetzten Baustoffe.

In A1 Bereichen (nicht brennbar) können dies nur Möbel sein, die ebenfalls aus nicht brennbaren Materialien wie z.B. Metall; Glas oder Stein etc. bestehen.

In öffentlichen Bereichen trifft man oft auf die Anforderung B1 oder „schwer entflammbar".

Das sind i.d.R. Bereiche mit größerem Verkehrsaufkommen (Empfangs-, Warte- und Gemeinschaftsbereiche) oder Fluchtwege (Flure, Foyers etc.).
Hier besteht regelmäßig der Wunsch, Möbel auch aus brennbaren Materialien (Holz) oder Polstermöbel einzusetzen.

So, wie die nach B1 zertifizierten Baustoffe in diesen Bereichen dürfen die dort eingesetzten Möbel nicht ein eventuell auftretendes Brandereignis forcieren, sondern müssen eine Brandausbreitung erschweren bis verhindern.

Grundvoraussetzung dafür ist der Einsatz von schwer entflammbaren Materialien bei Bezugsstoff, Polstermaterial, schwer oder nichtbrennbaren Sperrschichten zwischen beiden Komponenten und ggf. schwer entflammbaren Gestellaufbauten und selbstverlöschende Kunststoffteile.

Weiterhin muss das Möbel in seiner Gesamtheit bzw. der eingesetzte Polsterverbund genormte Brandtests für Möbel bestanden haben und darüber zertifiziert sein.

In diesen Brandtests muss anhand konkreter Kriterien (Beflammungsdauer, Normierung der Zündquelle, Brandzeit, Verlöschzeit, Ausbreitung der Brandbeschädigung etc.) nachgewiesen werden, dass das Möbel eine Brandausbreitung hemmt, nicht befördert.

Wie an anderer Stelle schon erwähnt,  gibt es für Möbel/Polstermöbel keine genaue Definition für B1 Tauglichkeit oder die offizielle Bezeichnung „schwer entflammbares“ Möbel.

Brandschutzexperten sehen aber in einem bestandenen Test des Gesamtmöbels nach DIN 54341, dem sogenannten „Papierkissentest“ eine Gleichwertigkeit zu B1-Anforderungen an Baustoffe.
Wenn ein Zertifikat für den Materialverbund oder das Gesamtmöbel nicht vorliegt, obliegt es der Entscheidung der örtlichen Brandschutzbehörde, inwieweit ein Möbel aufgrund seiner Materialzusammensetzung für brandsensible Bereiche zugelassen wird.

Fazit: Grundsätzlich sollen bei Möbeln ausschließlich schwer entflammbare oder nicht brennbare Materialien im Verbund eingesetzt werden. Eine Mischung mit "normal entflammbaren" Materialien muss in jedem Fall vermieden werden, da dies hinsichtlich des gewünschten Zieles immer kontraproduktiv ist.
Wenn möglich, sollte eine Einstufung des Gesamtmöbels nach DIN 66084 Klasse P-a angestrebt werden, da ein solch zertifiziertes Möbel im Brandfall ebenso brandhemmend wirkt, wie ein B1 Baustoff nach DIN 4102.  Aber auch ohne das Zertifikat kann die Brandschutzbehörde nach Einzelprüfung der Möbel und deren Materialien eine Zustimmung zum Einsatz in B1 Bereichen erteilen.